Was ist Polarisation?
Licht ist eine elektromagnetische Welle, deren elektrisches Feld senkrecht zur Ausbreitungsrichtung schwingt. Licht wird unpolarisiert genannt, wenn die Richtung des elektrischen Felds zeitlich wahllos schwankt. Viele gewöhnliche Lichtquellen wie Sonnenlicht, Halogenbeleuchtung, LED-Punktstrahler und Glühbirnen erzeugen unpolarisiertes Licht. Wenn die Richtung des elektrischen Felds klar definiert ist, handelt es sich um polarisiertes Licht. Die gebräuchlichste Quelle für polarisiertes Licht ist ein Laser.
Abhängig von der Orientierung des elektrischen Felds wird polarisiertes Licht in die folgenden drei Typen eingestuft:
- Lineare Polarisation: Das elektrische Feld des Lichts ist auf eine einzelne Ebene in der Ausbreitungsrichtung beschränkt (Abbildung 1).
- Zirkulare Polarisation: Das elektrische Feld des Lichts besteht aus zwei orthogonalen linearen Komponenten gleicher Amplitude mit einem relativen Phasenunterschied von π/2. Das entstehende elektrische Feld dreht sich kreisförmig um die Ausbreitungsrichtung. Abhängig von der Drehrichtung wird es links- oder rechtszirkulares polarisiertes Licht genannt (Abbildung 2).
- Elliptische Polarisation: Das elektrische Feld des Lichts beschreibt eine Ellipse. Diese Art der Polarisation entsteht durch die Kombination von zwei linearen Komponenten mit unterschiedlichen Amplituden und/oder einem Phasenunterschied ungleich π/2. Hierbei handelt es sich um die allgemeinste Beschreibung von polarisiertem Licht. Zirkular und linear polarisiertes Licht können als Sonderfälle von elliptisch polarisiertem Licht angesehen werden (Abbildung 3).
Die beiden orthogonalen linearen Polarisationen, die für Reflexion und Transmission besonders von Bedeutung sind, werden als p- und s-Polarisation bezeichnet. P-polarisiertes Licht (abgeleitet von „parallel“) weist ein elektrisches Feld auf, das parallel zur Einfallsebene polarisiert ist, während s-polarisiertes Licht (abgeleitet von „senkrecht“) senkrecht zu dieser Ebene polarisiert ist.
Beeinflussen der Polarisation
Polarisationsfilter
Um eine bestimmte Polarisation des Lichts auszuwählen, werden Polarisatoren, auch Polarisationsfilter genannt, verwendet. Diese können grob in reflektierende, dichroitische und doppelbrechende Polarisatoren unterteilt werden. Ausführlichere Informationen zum richtigen Polarisator für Ihre Anwendung finden Sie in unserer Auswahlhilfe für Polarisationsfilter.
Reflektierende Polarisatoren lassen die gewünschte Polarisation durch und reflektieren den Rest. Ein Beispiel dafür sind Wire-Grid-Polarisatoren, die aus einer Vielzahl von dünnen, parallel zueinander angeordneten Drähten bestehen. Licht, das in Richtung dieser Drähte polarisiert ist, wird reflektiert, während senkrecht zu diesen polarisiertes Licht durchgelassen wird. Andere reflektierende Polarisatoren nutzen den Brewster-Winkel. Der Brewster-Winkel ist ein besonderer Einfallswinkel, bei dem nur s-polarisiertes Licht reflektiert wird. Der reflektierte Strahl ist s-polarisiert und der durchgelassene Strahl wird teilweise p-polarisiert.
Dichroitische Polarisatoren absorbieren eine bestimmte Polarisation des Lichts und lassen den Rest durch. Moderne Nanopartikelpolarisatoren sind dichroitische Polarisatoren.
Doppelbrechende Polarisatoren nutzen die Abhängigkeit des Brechungsindex von der Polarisation des Lichts. Verschiedene Polarisationen werden bei unterschiedlichen Winkeln gebrochen. Dies kann zur Auswahl bestimmter Polarisationen des Lichts genutzt werden.
Unpolarisiertes Licht kann als schnell veränderliche wahllose Kombination von p- und s-polarisiertem Licht betrachtet werden. Ideale lineare Polarisatoren lassen nur eine dieser beiden linearen Polarisationen durch, sodass die anfängliche unpolarisierte Intensität I0 um die Hälfte reduziert wird.
Für linear polarisiertes Licht der Intensität I0 kann die durch einen idealen Polarisator transmittierte Intensität, I, durch das Malus’sche Gesetz beschrieben werden. Dabei ist θ der Winkel zwischen der einfallenden linearen Polarisation und der Polarisationsachse. Bei parallelen Achsen wird eine 100%-ige Durchlässigkeit erreicht. Demgegenüber wird bei Achsen, die 90° versetzt sind (Kreuzpolarisator), kein Licht durchgelassen (0%). In realen Anwendungen erreicht die Durchlässigkeit niemals genau 0%. Daher werden Polarisatoren durch ein Auslöschungsverhältnis charakterisiert, das zum Bestimmen der tatsächlichen Durchlässigkeit durch zwei Kreuzpolarisatoren verwendet werden kann.
Verzögerungsplatte
Während Polarisatoren eine bestimmte Polarisation des Lichts durchlassen und die anderen Polarisationen sperren, ändern ideale Verzögerungsplatten die bestehende Polarisation, ohne den Strahl abzuschwächen, abzulenken oder zu versetzen, indem eine Polarisationskomponente in Bezug auf die dazu orthogonale Polarisationsrichtung verzögert wird. Informationen zur Entscheidung für die optimale Verzögerungsplatte für Ihre Anwendung finden Sie unter Was sind Verzögerungsplatten?. Richtig ausgewählte Verzögerungsplatten können jeden Polarisationszustand in einen neuen Polarisationszustand umwandeln. Sie werden meistens zum Drehen einer linearen Polarisation sowie zum Umwandeln von linear polarisiertem Licht in zirkular polarisiertes Licht oder umgekehrt verwendet.
Anwendungen
Die Implementierung einer Polarisationssteuerung kann in einer Vielzahl von Bildverarbeitungsanwendungen von Nutzen sein. Polarisatoren werden an einer Lichtquelle und/oder einem Objektiv eingesetzt, um Glanzeffekte durch Lichtstreuung zu beseitigen, den Kontrast zu erhöhen und intensive Lichtflecke aus reflektierenden Objekten zu entfernen. Dies bewirkt intensivere Farben oder mehr Kontrast bzw. erleichtert die Erkennung von Oberflächenfehlern oder anderen sonst verborgenen Strukturen.
Verringerung von reflektierenden intensiven Lichtflecken und Glanzeffekten
In Abbildung 5 wurde ein linearer Polarisator vor dem Objektiv eines Bildverarbeitungssystems angebracht, um verwirrende Glanzeffekte zu beseitigen, damit ein elektronischer Chip deutlich sichtbar ist. Das linke Bild (ohne Polarisator) veranschaulicht die Streuung von willkürlich polarisiertem Licht durch die vielen Glasoberflächen zwischen dem Objekt und dem Kamerasensor. Ein Großteil des Chips ist aufgrund der Fresnel-Reflexion des unpolarisierten Lichts nicht erkennbar. Das Bild auf der rechten Seite (mit Polarisator) zeigt den Chip ohne verwirrende Glanzeffekte, die die Objektdetails verdecken, sodass der Chip ohne Behinderung angezeigt, analysiert und vermessen werden kann.
Das gleiche Phänomen ist in Figure 6 erkennbar. Im linken Bild (ohne Polarisator) wirkt unpolarisiertes Licht von der Sonne auf die Fenster des Gebäudes von Edmund Optics, wobei ein überwiegender Teil des Lichts von den Fenstern reflektiert wird. Im rechten Bild wurde ein Polarisationsfilter eingesetzt, um das reflektierte Licht, in dem ein Polarisationstyp überwiegt, vor dem Kamerasensor zu blockieren, sodass der Fotograf mit dem anderen Polarisationstyp das Gebäude leichter einsehen kann.
Eine weitere typische Möglichkeit, zu zeigen, wie Polarisatoren durch Reflektion entstehende Glanzeffekte verringern können, ist die Betrachtung von Gewässeroberflächen. Im linken Bild der Abbildung 7 wirkt die Gewässeroberfläche als Reflektor, sodass die Objekte unter der Oberfläche kaum erkennbar sind. Im rechten Bild sind die Ablagerungen auf dem Boden des Gewässers wesentlich deutlicher sichtbar.
Intensive Lichtflecke entstehen bei hochreflektierenden Teilen eines Bereichs in einem diffuser reflektierenden Bereich. In Abbildung 8 bewirkt ein Polarisator vor dem Objektiv einer Kamera sowie vor der Lichtquelle, die das Motiv beleuchtet, dass weniger intensive Lichtflecke auftreten.
Lesen Sie mehr: Polarisationsfilter und Polarisation – Grundlagen | Edmund Optics
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