Die Abrechnung von Bauleistungen ist ein zentraler Baustein der wirtschaftlichen Steuerung von Projekten. Eine zeitnahe, vollständige und prüfbare Abrechnung trägt wesentlich dazu bei, Liquidität zu sichern, Ergebnisse transparent darzustellen und Abläufe im Unternehmen verlässlich zu strukturieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an diejenigen, die in der Praxis mit der Bauabrechnung befasst sind – fachlich, organisatorisch und rechtlich.

Vor diesem Hintergrund haben das BWI-Bau und die Technische Hochschule Köln gemeinsam den Lehrgang Zertifikat Bauabrechnung entwickelt. Das berufsbegleitende Hochschulprojekt vermittelt praxisorientiert, wie Bauabrechnung insbesondere im Tief-, Kanal- und Straßenbau strukturiert, vollständig und nachvollziehbar umgesetzt werden kann – von den inhaltlichen Grundlagen über die Organisation und Mengenermittlung bis hin zur rechtlichen Einordnung. Der nächste Durchgang startet im September 2026.

Im Interview erläutert Prof. Dr.-Ing. Knud Sauermann, wissenschaftlicher Leiter des Lehrgangs an der TH Köln, welche Kompetenzen heute in der Bauabrechnung gefragt sind, warum das Zusammenspiel von Kalkulation, Bauleitung, Vermessung und Abrechnung so entscheidend ist und welchen Mehrwert der Lehrgang für Fachkräfte und Berufseinsteiger bietet. Das Gespräch gibt einen fundierten Einblick in die Zielsetzung, die inhaltliche Konzeption und die praktische Relevanz dieses Qualifizierungsangebots.

Welche konkreten Abrechnungsfehler beobachten Sie in der Praxis am häufigsten – und lassen sich diese eher auf mangelndes Fachwissen, unklare Vertragsgrundlagen oder fehlende Kommunikation zwischen den Beteiligten zurückführen?

Sauermann Die häufigsten Abrechnungsfehler in der Praxis stellen meist eine Kombination aus allen drei Bereichen dar. Nicht eindeutig formulierte Vertragsunterlagen, die zu unklaren Leistungsabgrenzungen an den Übergabeschnittstellen führen, können zur fehlerhaften Abrechnung von Bauleistungen führen. Auch die fachgerechte Dokumentation der erbrachten Bauleistungen sowie die Kommunikationsprozesse zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer sind entscheidend für das frühzeitige Aufdecken von Abrechnungsfehlern.

Digitale Werkzeuge wie Building Information Modeling (BIM), AVA-Software und digitale Aufmaßverfahren halten zunehmend Einzug in die Bauabrechnung: Wie verändert die Digitalisierung konkret die Arbeitsabläufe – und welche neuen Kompetenzen müssen Baufachleute dafür mitbringen?

Sauermann Die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung führt zu einem neuen Rollenverständnis in der Bauabrechnung. Mengenermittlungen können heute direkt aus dem digitalen Gebäudemodell erzeugt werden und führen damit zu höherer Transparenz und Nachvollziehbarkeit z. B. bei Planänderungen. Der Einsatz von AVA-Software ermöglicht eine schnelle Fortschreibung von Mengen und Kosten, eine zügige Nachtragsbearbeitung und einen kontinuierlichen Soll/Ist-Vergleich. Rechnungsprüfungen und Kostenabweichungen liegen damit allen Projektbeteiligten schneller vor. Somit ist es unbedingt erforderlich, dass Bauabrechner*innen entsprechend qualitativ ausgebildet werden, um sich den neuen Herausforderungen stellen zu können. Sie benötigen einerseits ein fundiertes Bau- und Vertragswissen und die Fähigkeit, die aktuellen, digitalen Aufmaßverfahren anzuwenden. Außerdem sollten sie das zugehörige Datenmanagement und Arbeiten mit cloudbasierten Projektplattformen beherrschen.

Welche Unterschiede bestehen in der Abrechnungspraxis zwischen verschiedenen Gewerken (z. B. Rohbau, Tiefbau, Ausbau, TGA) – und sollte ein Zertifikatskurs diese Besonderheiten gezielt adressieren oder eher allgemeine Grundprinzipien vermitteln?

Sauermann Im Roh- und Tiefbau überwiegen die mengen- und volumenorientierten Abrechnungsverfahren, während im Ausbau die flächen- und detailorientierten Aufmaße dominieren. Bauabrechner*innen benötigen je nach Gewerk unterschiedliche Fachkenntnisse, die von Vermessungsmethoden und Massenermittlung im Tiefbau bis hin zu technischem Anlageverständnis in der TGA variieren. Aufgrund der verschiedenen Anforderungen sollte der Zertifikatskurs auf der einen Seite allgemeine Grundkenntnisse in den verschiedenen Gewerken vermitteln, aber auch die Möglichkeit bieten, auf einzelne Gewerke ausführlicher einzugehen.

Wie ergänzen sich die praxisorientierte Ausrichtung des BWI-Bau und die wissenschaftlich-akademische Kompetenz der TH Köln in der Konzeption und Durchführung des Zertifikatskurses – und wo entstehen dadurch konkrete Qualitätsvorteile für die Teilnehmenden?

Sauermann
 Beides, sowohl die praxisorientierte Ausrichtung des BWI-Bau (in Kooperation mit dem Arbeitskreis Bauabrechnung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie) als auch die wissenschaftlich-akademische Kompetenz der TH Köln führen zu einem ganzheitlichen Ausbildungskonzept. Während die praktischen Inhalte Kenntnisse für Baustellenabläufe und betriebliche Prozesse im beruflichen Alltag vermitteln, fördert die wissenschaftlich-akademische Ausbildung die Fähigkeit der Teilnehmenden, komplexe Sachverhalte zu analysieren und weiterzuentwickeln. Die erfolgreichen Absolvent*innen unseres Zertifikatskurses Bauabrechnung sind dadurch in der Lage, die heutigen Anforderungen zuverlässig zu erfüllen und aktuelle Methoden/Technologien kompetent anzuwenden.

Welche Zielgruppen profitieren besonders von diesem Kooperationsmodell, und wie unterscheidet sich das Angebot von vergleichbaren Weiterbildungen anderer Träger hinsichtlich Niveau, Anerkennung und praktischem Nutzen im Berufsalltag?

Sauermann
 Aufgrund des zuvor dargestellten ganzheitlichen Ausbildungskonzeptes des Zertifikatskurses profitieren diejenigen Mitarbeitenden von dem Kooperationsmodell des BWI-Bau und der TH Köln, die sich in die Themen der Bauabrechnung einarbeiten, sich weiterbilden und weiterentwickeln möchten. Das Spektrum der Teilnehmenden umfasst insbesondere Fachkräfte aus dem Bereich des Tief-, Kanal-, Straßenbaus und des Vermessungswesens, um sie für eine zeitnahe, vollständige und prüfbare Bauabrechnung zu qualifizieren. Das Hochschulzertifikat Bauabrechnung wird bereits seit 10 Jahren erfolgreich angeboten und liefert jährlich zahlreiche erfolgreiche Abschlüsse. Dieser Kurs wird auch von der Architekten- und Ingenieurkammer als Weiterbildungsmaßnahme anerkannt.

Zusammenfassend und auf den Punkt gebracht: Diese bundesweit einzigartige Schulungsmaßnahme mit Hochschulzertifikat für Bauabrechnende aller Unternehmensgrößenklassen besticht durch ein ganzheitliches Qualifizierungskonzept in der Vermittlung der aktuellen Methoden und Technologien und hat auf dem deutschen Weiterbildungsmarkt keine vergleichbare Konkurrenz nach Inhalt, Umfang und Niveau!

Laufzeit des Zertifikatskurses: vom 03.09.2026 – 22.05.2027 in Kerpen

Ansprechpartner beim BWI-Bau:

  • Dipl. – Ing. Alexander Schmid, Ressortleiter Digitale Geschäftsprozesse
  • Patrick Gerberding, Leiter Veranstaltungsmanagement

    Mehr Informationen zum Zertifitkat Bauabrechnung finden Sie >>hier<<. 

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Alexander Schmid
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