Die Poolbefüllung aus dem Trinkwassernetz war im Sommer 2026 in einer deutschen Großstadt zeitweise verboten. Die Landeshauptstadt München hat am 14. Juli 2026 per Allgemeinverfügung die Nutzung von Trinkwasser, die Entnahme von Grundwasser und die Entnahme aus oberirdischen Gewässern eingeschränkt. Laut den Stadtwerken München (SWM) lag der Wasserverbrauch der Stadt zuvor bei über 360 Millionen Litern am Tag, während der Durchschnitt normalerweise etwa 300 Millionen Liter beträgt. Die Stadtwerke erließen parallel eine Sparanordnung, die auch für die von ihnen versorgten Umlandgemeinden galt. Wie viel Wasser ein Becken überhaupt bindet, zeigt ein Rechenweg für die Wassermenge eines Schwimmbeckens.

Zwei Anordnungen galten in München vom 14. Juli bis zum 1. August 2026

Die Verfügung der Stadt und die Anordnung der Stadtwerke griffen ineinander. Nach Angaben der SWM galt die Allgemeinverfügung der Landeshauptstadt für das Stadtgebiet, die Sparanordnung darüber hinaus in den Gemeinden und Ortsteilen, die von den Stadtwerken mit Trinkwasser versorgt werden. Beide waren zunächst bis zum 1. August 2026 befristet.

Die Allgemeinverfügung vom 14. Juli 2026 nannte laut der Landeshauptstadt München unter anderem diese untersagten Nutzungen:

  • Befüllen und Betrieb privater Pools und sonstiger Badebecken, privater Springbrunnen und Wasserbehälter.
  • Bewässern von Haus- und Kleingärten zwischen 9:00 Uhr und 19:00 Uhr, ausgenommen Tröpfchenbewässerung, Landwirtschaft und Friedhöfe.
  • Bewässern von Rasen- und Grünflächen, sofern sie nicht gewerblich oder öffentlich genutzt werden.
  • Waschen von Fahrzeugen außerhalb gewerblicher Waschanlagen.
  • Abspritzen von Terrassen, Wänden, Hof- und Wegflächen durch Privatpersonen.

Der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause begründete die Maßnahme laut der Mitteilung der Stadt mit einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling, durch den die Ressourcen der Wasserversorgung äußerst strapaziert seien. Zugleich beauftragte die Stadt das Referat für Klima- und Umweltschutz und die Stadtwerke, eine Wasserstrategie für anhaltende Trockenheit und Hitzeperioden zu erarbeiten.

Warum die Stadtwerke auch nach dem Ende der Verfügung zum Sparen aufrufen

Der Verbrauch ging nach dem Erlass zurück, aber die Lage blieb angespannt. Nach Angaben der SWM vom 30. Juli 2026 sank der Verbrauch in der Gesamttendenz auf einen Bereich um 330 Millionen Liter am Tag. Auf dieser Grundlage verlängerte die Landeshauptstadt die Allgemeinverfügung nicht, und die Sparanordnung lief zum 1. August 2026 aus.

Das Wasserdargebot der Münchner Hangquell- und Grundwasserfassungen blieb nach Darstellung der Stadtwerke wegen der zu geringen Niederschläge der vergangenen 18 Monate niedrig. Laut den SWM weist der Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt vom 24. Juli 2026 für das laufende Abflussjahr ein Niederschlagsdefizit von rund 32 Prozent aus. Demnach zeigten 81 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen sowie 74 Prozent der Messstellen der tieferen Grundwasserstockwerke in Bayern niedrige Verhältnisse. Einen erneuten Erlass einer Sparanordnung schließen die Stadtwerke nicht aus.

Was ein Gartenpool an Wasser bindet und wie sich der Bedarf senken lässt

Ein Gartenpool ist kein kleiner Verbraucher. Laut dem Bundesverband Schwimmbad & Wellness (bsw) fasst ein Becken von acht Metern Länge, vier Metern Breite und 1,5 Metern Tiefe 48 Kubikmeter, also 48.000 Liter Wasser. Bei einem Wasserpreis von rund 0,2 Cent je Liter, der je nach Region abweicht, kostet eine Füllung nach dieser Rechnung 96 Euro. Mit professioneller Wasseraufbereitung kann das Wasser nach Angaben des Verbands meist mehrere Jahre im Becken bleiben.

Die Größenordnung des Bestands nennt der Verband in seinem Trendpapier vom Frühjahr 2026: rund zwei Millionen private Pools in Deutschland bei rund 18 Millionen Eigenheimen und 750 Schwimmbadbaufachunternehmen. Der größte vermeidbare Wasserverlust im Betrieb ist die Verdunstung. Nach Angaben des bsw senkt eine Abdeckung sie gemäß den Berechnungen der europäischen Umweltnorm für private Schwimmbäder (DIN EN 17645) um bis zu über 80 Prozent. Was eine Abdeckung außer dem Wasserverlust noch beeinflusst, erläutert ein Beitrag über Sicherheit und Pflegeaufwand beim abgedeckten Schwimmbecken.

Welche Rechnung Poolbesitzer für die Winterpause und das Frühjahr 2027 aufmachen

Anfang Oktober 2026 ist die Badesaison im Freien vorbei, und die Frage nach dem Wasser verschiebt sich auf das nächste Jahr. Der bsw empfiehlt, einen kompletten Wasserwechsel zu Beginn der Badesaison im Frühjahr vorzunehmen, weil die Gefahr einer Dürre dann meist nicht gegeben ist. Wer das Wasser über den Winter im Becken lässt und im Frühjahr aufbereitet, kommt nach Angaben des Verbands oft mehrere Jahre ohne Neubefüllung aus.

Der Münchner Fall zeigt, dass eine Füllung im Hochsommer keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Die Stadtwerke haben angekündigt, an einer Strategie für die Wasserversorgung unter veränderten klimatischen Bedingungen zu arbeiten, weil solche Ausnahmephasen künftig häufiger auftreten dürften.

„Ein Pool mit 48.000 Litern ist im Juli der falsche Moment für eine Neubefüllung, und München hat das im Sommer 2026 zur Regel gemacht. Wer im Frühjahr füllt, abdeckt und das Wasser über Jahre pflegt, hat mit einer Sparanordnung im Sommer nichts zu tun. Die Abdeckung ist dabei der günstigste Teil der Anlage und der wirksamste“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

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