Die Hersteller von Büro- und Objektmöbeln in Deutschland haben ein weiteres schwaches Halbjahr hinter sich. Laut dem Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA) vom 25. August 2026 lag der Gesamtumsatz der Branche im ersten Halbjahr 2026 bei rund 718 Millionen Euro, 5,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Inlandsmarkt gab um 8,5 Prozent nach, das Auslandsgeschäft wuchs um 5,0 Prozent. Zum Ende des Berichtszeitraums drehte das Vorzeichen: Im Juni 2026 lag der Monatsumsatz 7,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Für Unternehmen, die eine Neueinrichtung seit Jahren vor sich herschieben, wird die Planung damit wieder zum Thema; eine Anleitung zur Planung einer neuen Büroeinrichtung ordnet die Schritte von der Flächenanalyse bis zur Möbelauswahl.

Der Verband mit Sitz in Wiesbaden vertritt die Hersteller von Büro- und Objektmöbeln sowie von Akustik-, Licht- und weiteren Ausstattungslösungen. Seine Halbjahreszahlen beruhen nach eigenen Angaben auf aktuellen Erhebungen des Verbands und stehen im Kontext einer Gesamtwirtschaft, die von Strukturkrisen in zentralen Branchen und anhaltender Investitionszurückhaltung geprägt ist.

Wo die Büromöbelindustrie seit 2025 Umsatz verliert

Das Halbjahresminus setzt einen Rückgang fort, der schon das Vorjahr geprägt hat. Nach Angaben des IBA vom 19. Februar 2026 erzielte die Branche im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 2,2 Milliarden Euro und lag damit 8,8 Prozent unter dem Vorjahr. Das Inlandsgeschäft ging 2025 um 10,3 Prozent zurück, der Auslandsumsatz um 2,8 Prozent. Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl sank um 2,9 Prozent, die geleisteten Arbeitsstunden um 5,5 Prozent.

Die Verluste verteilen sich ungleich. Laut dem Verband erwiesen sich Hersteller als robuster, die neben klassischem Büromobiliar auch Einrichtungen für Bildung, Gesundheitswesen oder projektbezogene Objektmöblierung anbieten und in mehreren Märkten aktiv sind. Statt eines flächendeckenden Stellenabbaus setzten viele Unternehmen 2025 auf das Auslaufen befristeter Verträge, natürliche Fluktuation und Zurückhaltung bei Neueinstellungen.

Warum das Exportgeschäft die Halbjahresbilanz stützt

Der Auslandsumsatz ist im ersten Halbjahr 2026 der einzige wachsende Posten. Nach Angaben des IBA stieg die Exportquote der Büromöbelhersteller auf 23,9 Prozent; im Jahr 2025 hatte sie sich bereits von 20,5 auf 21,9 Prozent erhöht. Bei einem Inlandsminus von 8,5 Prozent und einem Auslandsplus von 5,0 Prozent verschiebt sich das Gewicht der Branche Schritt für Schritt in Richtung Export, ohne dass der Heimatmarkt seine Rolle als Hauptabsatzgebiet verliert.

Der Verband deutet die Juni-Zahlen vorsichtig. Neben dem Umsatzplus von 7,8 Prozent im Monatsvergleich zeigte sich laut IBA auch der Auftragseingang etwas stabiler. Zugleich stieg der ifo-Geschäftsklimaindex im Juli 2026 zum dritten Mal in Folge auf 86,6 Punkte, getragen von besseren Erwartungen, nicht von einer besseren Lageeinschätzung. Ob daraus ein nachhaltiger Trend wird, ließ der Verband ausdrücklich offen.

„Ein Juni mit acht Prozent Plus nach achtzehn Monaten Rückgang ist kein Aufschwung, sondern ein aufgestauter Bedarf, der sich einen Spalt öffnet. Wer jetzt Büroflächen neu plant, trifft auf Hersteller mit freien Kapazitäten und kurzen Lieferzeiten“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Welche Rolle die Weiternutzung gebrauchter Büromöbel bekommt

Die Branche investiert trotz der Lage in Kreislaufkonzepte. Nach Angaben des IBA steht mit der Plattform newen seit April 2026 erstmals eine digitale Infrastruktur bereit, über die Unternehmen bereits genutztes Inventar strukturiert zurückführen können. Ergänzend hat der Verband ein Nachhaltigkeitsstatement zur Kreislauffähigkeit und ein Statement zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen formuliert. Für die Planungs-, Vertriebs- und Serviceprozesse entwickelt er den OFML-Standard (Office Furniture Modeling Language) weiter, ein Datenformat für die Konfiguration von Büromöbeln.

Für Einkäufer verschiebt sich damit die Frage von der Anschaffung zur Bewertung. Wer neue Arbeitsplätze ausschreibt, verlangt zunehmend Nachweise zu Herkunft, Materialien und Rücknahme. Ein Leitfaden zu Nachhaltigkeitszertifikaten für Büromöbel in Ausschreibungen erklärt, welche Siegel es gibt, was sie prüfen und wie sich Kriterien für Lieferanten formulieren lassen.

Was die Orgatec Ende Oktober 2026 für die Branche bedeutet

Die Hersteller setzen auf die Leitmesse als Impuls. Die Orgatec, die internationale Messe für Arbeitswelten und Objekteinrichtung, findet laut IBA vom 27. bis 30. Oktober 2026 in Köln statt; der Verband richtet dort erneut das Wherever Whenever Work Culture Festival aus, das Architekten, Planer, Personalverantwortliche und Unternehmensvertreter zusammenbringt. Der IBA-Vorsitzende Helmut Link sieht nach Verbandsangaben einen erheblichen Nachholbedarf an modernen Büroumgebungen, weil viele Kunden die Neugestaltung ihrer Büros in den vergangenen Jahren aufgeschoben haben.

Die Halbjahresmeldung des Verbands lässt sich in sechs Werten zusammenfassen:

  • Gesamtumsatz Januar bis Juni 2026: rund 718 Millionen Euro, minus 5,6 Prozent
  • Inlandsumsatz: minus 8,5 Prozent
  • Auslandsumsatz: plus 5,0 Prozent
  • Exportquote: 23,9 Prozent nach 21,9 Prozent im Gesamtjahr 2025
  • Monatsumsatz Juni 2026: plus 7,8 Prozent zum Vorjahresmonat
  • Gesamtumsatz 2025: rund 2,2 Milliarden Euro, minus 8,8 Prozent

Für Unternehmen, die im Herbst 2026 über neue Flächen entscheiden, ergibt sich aus den Zahlen ein günstiger Zeitpunkt. Die Hersteller haben Kapazitäten frei, und die Messe zeigt Ende Oktober das Angebot gebündelt. Ob die Orgatec den erhofften Schub bringt, wird die Jahresbilanz des Verbands im Februar 2027 zeigen.

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