„Echte Kerle weinen nicht“, heißt es im Volksmund. Der Mann gilt als das starke Geschlecht, das keine Schwäche zeigen darf. „Männer leiden oft unerkannt. Gerade bei psychischen Erkrankungen gehen sie viel seltener zum Arzt als Frauen“, sagt Dr. Wiete Schramm, Arbeitsmedizinerin bei TÜV Rheinland. Die Selbstmordrate bei Männern – etwa drei Viertel der jährlichen Suizidopfer in Deutschland gehören zum männlichen Geschlecht – lässt Rückschlüsse auf unentdecktes Leiden zu. Doch auch wenn es um Krebsvorsorge geht, sind Männer eher zögerlich.

Männliche Symptome Wut und Aggression

„Depressionen gelten als typisches Frauenleiden. Viele Männer gestehen sich eine psychische Krankheit nicht ein – auch weil sie die Symptome nicht deuten können“, so die Expertin. Denn während Frauen im Falle einer Depression dazu tendieren, sich zurückziehen, äußert sich die Krankheit bei Männern unter anderem in Form von aggressivem Verhalten und Wutanfällen. Typisch ist auch, dass Männer beim Arzt eher greifbarere, körperliche Beschwerden wie Magenschmerzen oder Rücken- und Herzprobleme angeben. Doch die Expertin sieht eine Wandlung: „Das gesellschaftliche Bild des Mannes verändert sich. Männer nehmen Elternzeit, achten auf ihre Work-Life-Balance und haben es inzwischen auch leichter, eine psychische Erkrankung zuzugeben“, sagt Dr. Wiete Schramm.


Männer gehen ungern zur Vorsorge

Ungern gehen Männer jedoch nach wie vor zur Krebsfrüherkennung. Laut einer aktuellen Erhebung des Robert-Koch-Instituts kümmern sich nur 40 Prozent der Männer um regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Bei den Frauen sind es dagegen 67 Prozent. Potenzial sieht die Expertin hier im betrieblichen Kontext. „Männer gehen lieber zum Betriebsarzt. Der Betrieb ist deshalb ein guter Ort für Präventionsangebote für männliche Arbeitnehmer“, so Schramm.

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