Corona bringt zusätzliche Komplexität in die Liefer- und Wertschöpfungsketten. Eine Verlagerung aus heutigen Produktionsstätten bei einzelnen Zulieferern zurück nach Europa, wie im Frühjahr 2020 vielfach angedacht, kann langfristig die Resilienz verbessern, birgt aber auch einige Risiken. Angesichts der Lieferanteile, die nicht aus den europäischen Nachbarländern nach Deutschland kommen, ist der Hebel allerdings begrenzt.

Dr. Jörg Löffler: “Vor rund acht Monaten hatte China begonnen, in einem landesweiten Lockdown seine Industrie heruntergefahren. Viele Teile und Komponenten, die die OEMs in Europa zur Aufrechterhaltung ihrer Produktion benötigen, waren plötzlich nicht mehr verfügbar. Denn aus Asien kommt beispielsweise ein Großteil der Halbleiter, E-Motoren und Aktuatoren nach Europa. Schnell kamen erste Ideen auf, das System der weltumspannenden Lieferketten umzubauen. Es stellte sich die Frage, ob es nicht klüger wäre, entweder die Fertigung wichtiger Teile und Komponenten wieder in der Nähe der großen Werke anzusiedeln oder aber die Produktionen parallel laufen zu lassen – in Europa und Asien. Eile schien geboten, um für künftige Krisen wie einen weiteren Lockdown gerüstet zu sein.


Natürlich scheuen OEMs und Tier 1-Zulieferer eine solche Verlagerung in laufenden Aufträgen. Einerseits wegen der hohen Zusatzkosten, aber vor allem auch wegen der damit verbundenen enormen operativen Risiken. Eine Umstellung der Zuliefererkette findet üblicherweise nur bei Neuvergaben statt. Und je nach Bauteil können zwischen einer Neuvergabe und dem Beginn der Teile- oder Komponentenfertigung zwischen 1,5 und 2,5 Jahre liegen. Aber Corona schien Bewegung in diesen starren Prozess zu bringen, jedenfalls im März und April. Es wurde in vielen Unternehmen über schnellere Veränderungen nachgedacht. Geschehen ist dann jedoch nicht viel. Die Produktion in China lief nach kurzer Zeit wieder an, die Container mit den benötigten Teilen erreichten ihre europäischen Ziele, eine zweite Corona-Welle schien zwar denkbar, wurde aber nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Warum jetzt teure und risikoreiche Änderungen anstoßen?

Nun scheint die zweite Welle auf Europa zuzulaufen und sie wird nahezu überall auf die seit Jahren bestehenden Wertschöpfungsketten treffen. Und was ist aus den Thesen vom Frühjahr geworden? Wäre die europäische Industrie besser auf die zweite Welle vorbereitet, wenn sie Teile ihrer Fertigung aus China zurück nach Europa geholt hätte? Es sieht nicht so aus. China produziert seit der Beendigung des Lockdown Anfang April zuverlässig und ein zweiter Lockdown im Reich der Mitte ist eher unwahrscheinlich. Anders als in Europa, wo ganze Regionen von einem erneuten Stillstand bedroht sind. Wer Teile und Komponenten in Europa bezieht oder fertigt, entgeht immerhin weitgehend einem Grenzübertrittsrisiko, das Produkten droht, die von außerhalb in die EU gelangen.

Ein „Keep calm and carry on” ist jedoch keine Option für die Hersteller und die großen Zulieferer. Tatsächlich sehen sie sich einer enorm komplexen Aufgabe gegenübergestellt, um ihre Lieferketten stabil zu halten. Drei kritische Themenfelder gilt es in einer mehrdimensionalen Betrachtung zu verknüpfen: Lieferanten, Teile und Produktionsländer. Entlang jeder dieser Dimensionen gilt es, genau zu analysieren und zu bewerten: Wo bestehen die höchsten Risiken, wo ist eine Verlagerung nötig, wo eine parallele Produktion, was kann bleiben wie gehabt? Mit anderen Worten: OEMs und Tier 1 brauchen dringend einen Plan B, um künftig krisensicher aufgestellt zu sein.“

Dr. Jörg Löffler

AUSBILDUNG UND BERUFSERFAHRUNG
Sechs Jahre Top-Management Beratung (Roland Berger Strategy Consultants), seit 03/2020 bei Berylls
Drei Jahre Geschäftsführer/CEO eines Mobilitätsdienstleisters (Tochtergesellschaft des TÜV Süd)
Zwölf Jahre in der Automobilzulieferindustrie bei Webasto und Knorr-Bremse als Leiter einer Business Unit bzw. VP Corporate Development
Promotion an der RWTH Aachen
Dipl.-Wirtsch. Ing RWTH Aachen (Auslandssemester USA)
Dipl. Ing. Luft- und Raumfahrttechnik Universität Stuttgart (Auslandssemester in Toulouse)

 

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