Die Fördermittel des Europäischen Forschungsrats (ERC) gelten als Ritterschlag für Wissenschaftler aller Karrierestufen. Mit seinen „Starting Grants“ will der ERC exzellenten Nachwuchswissenschaftlern den Weg in eine unabhängige Karriere ebnen. Dieses Jahr erhält der Immunologe Chong Sun vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die renommierte Förderung: Er will erforschen, warum therapeutische T-Zellen oftmals daran scheitern, in einen Tumor einzudringen und dort ihre volle Wirksamkeit gegen die Krebszellen zu entfalten.

Mit seinen ERC Starting Grants fördert der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) talentierte junge Wissenschaftler. Die Mittel von 1,5 Millionen Euro für bis zu fünf Jahre sollen beim Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe an einer anerkannten Forschungsinstitution in der EU unterstützen. Über die Vergabe der ERC Starting Grants wird in einem hochkompetitiven Verfahren entschieden.

Krebsforscher arbeiten intensiv an der Entwicklung zellulärer Krebs-Immuntherapien. Dabei werden den Patienten Immunzellen, zumeist T-Zellen, entnommen, in der Kulturschale modifiziert und den Betroffenen anschließend wieder injiziert. Doch trotz einzelner Erfolgsgeschichten, etwa bei bestimmten Formen von Blutkrebs, bleiben diese Therapien oftmals hinter den Erwartungen zurück.

Einen wesentlichen Grund für die vielfach enttäuschende Wirksamkeit dieser Behandlung sehen Forscher darin, dass es den T-Zellen nicht gelingt, einen soliden Tumor zu infiltrieren. Chong Sun will nun mithilfe der ERC-Förderung klären, warum die therapeutischen T-Zellen an dieser Stelle scheitern. Einerseits konzentriert sich der Forscher dabei auf die Tumor-Mikroumgebung, insbesondere auf die als „Chemokine“ bezeichneten Botenstoffe, die von den Zellen in der unmittelbaren Nachbarschaft des Tumors gebildet werden: Wie macht sich der Tumor diese Substanzen zunutze? Und lässt sich die Chemokin-Produktion möglicherweise so modulieren, dass Immunzellen gezielt in den Tumor gelockt werden?

Auf der anderen Seite stellt Chong Sun die T-Zellen selbst auf den Prüfstand: Gibt es T-zelleigene Mechanismen, die das Einwandern in einen Tumor fördern und erleichtern? Und schließlich will er herausfinden, ob sich Faktoren, die die T-Zell-Infiltration fördern bzw. bremsen, medikamentös oder gentherapeutisch beeinflussen lassen. Sein Ziel ist, auf diese Weise möglicherweise die Wirksamkeit von T-Zell Immuntherapien zu verbessern.

Chong Sun begann sein Studium der Biotechnologie 2003 zunächst an der Nanjing University of Science and Technology, China, und schloss es 2010 mit einem Master in Pharmazeutischen Wissenschaften an der Universität Utrecht, Holland, ab. Anschließend forschte er bis 2019 als PhD-Student und später als Postdoc am Netherlands Cancer Institute. Seit November 2019 leitet Chong Sun im Deutschen Krebsforschungszentrum die Nachwuchsforschungsgruppe Krebs-Immunregulation.

Über Deutsches Krebsforschungszentrum

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können.

Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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