Vier Projekte zeigen exemplarisch, wie Weiterbauen im Bestand heute gelingen kann – von Transformation denkmalgeschützter Ensembles bis zur innerstädtischen Nachverdichtung. Der Bernhard Remmers Award 2026 würdigt damit Architektur, die vorhandene Substanz nicht ersetzt, sondern weiterdenkt. Damit positioniert sich der Preis gezielt als Plattform für eine Baukultur, die den Bestand als zentrale Ressource der Bauwende versteht. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Internationalen Fachtagung am 15./16. April 2026 in Löningen statt.

Traditionsreicher Preis mit geschärftem Profil

In seiner Begrüßung unterstrich Dirk Sieverding (Vorstandsvorsitzender Remmers Gruppe) die lange Tradition des Bernhard Remmers Award. Seit seiner erstmaligen Verleihung im Jahr 2000 habe sich der angesehene Wettbewerb kontinuierlich weiterentwickelt: Stand zunächst die handwerkliche Ausführung im Fokus, rücke heute die integrale Leistung von Architekten und Planern in den Mittelpunkt – im engen Zusammenspiel mit Handwerk und Restaurierung. So würdigt die Auszeichnung nun vor allem Projekte, die architektonische Qualität, konstruktive Intelligenz und einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandener Bausubstanz überzeugend zusammenführen. Ein Ansatz, der angesichts knapper Ressourcen, steigender Baukosten und der wachsenden Bedeutung der Umbaukultur zunehmend an Relevanz gewinnt.

Bewertet wurden – unterteilt in die Kategorien Baudenkmalpflege, Bauen im Bestand, Holz-/Hybridbauweise sowie ergänzt um einen Sonderpreis – über 50 Einreichungen aus vier Ländern von einer unabhängigen und hochkarätig besetzten Fachjury. Ihr gehörten DBZ-Chefredakteur Michael Schuster, David Cook (Gründungspartner des Architekturbüros haascookzemmrichSTUDIO20250), VFA-Vizepräsident Axel-Heinrich Mutert (Architekturbüro Mutert) sowie Claudia Kruschel-Bücker (Gesellschafterin und Geschäftsführerin bei BASD Schlotter und Kruschel Architekten) an.

Die Siegerprojekte im Überblick

Deutsches Meeresmuseum Stralsund (Reichel Schlaier Architekten GmbH, Stuttgart) – Kategorie Baudenkmalpflege
Mit der Sanierung und Erweiterung des historischen Katharinenklosters entwickelten die Architekten ein komplex gewachsenes Ensemble behutsam weiter. Rückbau, Neuordnung und gezielte Ergänzungen machen die unterschiedlichen Bauphasen und Entwicklungen des Bestands wieder ablesbar und integrieren zugleich neue Nutzungen wie Großaquarien. So entsteht ein zeitgemäßer Museumsbau, der Vergangenheit und Gegenwart räumlich miteinander verbindet. Die Jury würdigt hier vor allem „eine zeitgenössische Architektur, die die Seele des Bestands respektiert“.

Kolk 17 Figurentheater Lübeck (Konermann Siegmund Architekten BDA, Hamburg) – Kategorie Bauen im Bestand
Mitten im dichten Gefüge der Lübecker Altstadt wurde ein vielschichtiges Ensemble aus Bestandsbauten und Neubauten neu organisiert. Durch denkmalgerechte Sanierung, selektiven Ersatz und eine präzise gesetzte Erschließung entstand ein leistungsfähiger Kulturstandort. Historische Substanz und zeitgenössische Eingriffe treten dabei bewusst in Dialog. Laut Urteil der Jury eine „herausragende Leistung“, insbesondere im sensiblen Umgang mit Raum, Material und Kontext.

Dachaufstockung und Sanierung einer denkmalgeschützten Wohnanlage in Hamburg (Trutz von Stuckrad Penner Architekten, Berlin) – Kategorie Holz-/Hybridbau
Die Weiterentwicklung einer genossenschaftlichen Wohnanlage in Innenstadtlage verbindet Substanzerhalt mit Nachverdichtung: Eine zweigeschossige Dachaufstockung in Holz-Stahl-Hybridbauweise ergänzt das Ensemble um neuen Wohnraum. Parallel wurde die historische Bausubstanz umfassend instandgesetzt und gestalterisch präzisiert. Die neue Dachlandschaft interpretiert das verlorene Erscheinungsbild zeitgemäß und stärkt die städtebauliche Präsenz. Die Jury hebt den „souveränen Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz“ hervor und sieht darin einen richtungsweisenden Beitrag für den Umgang mit innerstädtischem Bestand.

Kirche Canitz – Neue Mitte (Peter Zirkel GvA mbH, Dresden) – Sonderpreis
Aus einer stark geschädigten Dorfkirche entstand durch Wiederaufbau und gezielte Eingriffe ein neuer sozialer Mittelpunkt. Der Entwurf verbindet behutsame Sicherung der historischen Substanz mit klar formulierten, zeitgenössischen Ergänzungen und schafft so einen offenen Raum für Begegnung und Nutzung. Dabei greifen Innen- und Außenraum harmonisch ineinander und verleihen dem Ort eine neue Identität. Die Jury spricht dabei von der „Verbindung von Historischem und Modernem par excellence“ sowie einer „überzeugenden Neuinterpretation des Bestands“.

Impulse für die Praxis: Wissen, Einblicke und neue Perspektiven

Neben der Preisverleihung bot die Fachkonferenz an zwei Tagen ein breit gefächertes Vortragsprogramm mit konkretem Mehrwert für Planung und Ausführung. Ein besonderes Highlight war der Einblick von Jens Engel (Leiter Produktmanagement Bautenschutz bei Remmers) in die Innenreinigung der Kathedrale Notre-Dame in Paris nach dem Jahrhundertbrand – realisiert mit der Peel-off-Paste Arte Mundit. Dr. Markus Boos (Geschäftsführer Bernhard Remmers Institut für Analytik) zeigte unter dem Titel „Klarheit senkt Kosten“, wie fundierte Analysen zu besseren und wirtschaftlicheren Ausschreibungen beitragen, während Jannes Robben (Remmers Technik Service Bautenschutz) den Online-Systemfinder für eine effizientere Projektplanung vorstellte. Moderator Michael Schuster (Chefredakteur DBZ) gab darüber hinaus einen Überblick zu aktuellen Entwicklungen in der Architektur – von Künstlicher Intelligenz über zirkuläres Bauen bis hin zu Modul- und Holzbau sowie zur wachsenden Bedeutung der Umbaukultur. Weitere Impulse lieferten Prof. Jan R. Krause (Hochschule Bochum) mit seinem Vortrag „Form follows prompt – KI in der Architektur“ sowie der bekannte Wirtschaftsjournalist Thomas Ranft (ARD) mit einem Blick auf das Wohnen in der Klimazukunft und die Grenzen rein technologischer Lösungsansätze.

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