Dabei wächst der Druck, digitale Anwendungen endlich alltagstauglich zu machen. Das Bundesgesundheitsministerium sieht in der ePA einen zentralen Baustein, um Abläufe im Gesundheitswesen effizienter zu organisieren. Ob die ePA im Alltag tatsächlich ankommt, entscheidet sich deshalb nicht nur an der Technik, sondern vor allem daran, wie unkompliziert Versicherte sie nutzen können. Laut gematik sind inzwischen mehr als 100 Millionen Dokumente in den Akten hinterlegt. Neue Verfahren wie ePass sollen den Zugang deutlich vereinfachen und digitale Gesundheitsangebote leichter nutzbar machen. Welche Rolle dabei Sicherheit, Tempo und Nutzerakzeptanz spielen, erklärt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER, im Interview.
Warum war die Identifizierung bislang eine der größten Hürden beim Zugang zur ePA?
Die Identifizierung war bislang ein Flaschenhals für viele Versicherte. Die bisher zugelassenen Verfahren – etwa über die PIN des Personalausweises oder der Gesundheitskarte – sind im Alltag noch ungewohnt und oft zu aufwendig. PINs müssen erst beantragt und per Post zugestellt werden. Das hat dazu geführt, dass viele den Zugang zur ePA-App gar nicht erst eingerichtet oder den Prozess abgebrochen haben.
Die BARMER setzte als erste Krankenkasse auf das ePass-Verfahren. Wo liegt der Mehrwert für Versicherte?
Mit ePass haben wir eine Lösung, die endlich zur Lebensrealität der Menschen passt – sofort nutzbar und ohne zusätzliche Hürden. Versicherte können ihre GesundheitsID in unter zwei Minuten anlegen und direkt auf ePA, E Rezept und den TI-Messenger zugreifen. Dafür genügt eines von drei Ausweisdokumenten: der Personalausweis (wenn er ab August 2021 ausgestellt wurde), ein aktueller Reisepass oder der elektronische Aufenthaltstitel. Das senkt die Hemmschwelle erheblich. Wir verzeichnen seit dem Start eine hohe Nutzung durch Menschen mit elektronischem Aufenthaltstitel. Das ist gelebte digitale Inklusion. Im Frühsommer integrieren wir zudem weitere EU- und EFTA-Reisepässe. Die Identifizierung passt sich damit dem Alltag der Menschen an – und nicht umgekehrt.
ePass ist zwar einfacher, aber ist es genau so sicher wie die Verfahren mit PINs?
Die gematik hat die Lösung Ende November 2025 zugelassen, und die BARMER setzt sie bereits seit März 2026 ein. Mit dem ePass kombiniert Nect mehrere Sicherheitsstufen: Chipdaten werden per NFC über das Handy ausgelesen und das vom Versicherten aufgenommene Selfie biometrisch mit dem Ausweisbild abgeglichen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit – denn komplexe Prozesse werden von vielen nicht automatisch als sicherer wahrgenommen. Akzeptanz entsteht erst, wenn beides zusammenkommt.
Millionen Patientenakten sind bereits angelegt, doch die Nutzung bleibt ausbaufähig. Liegt es nur am Zugang?
Nutzung entsteht nicht nur durch einfache Zugänge, sondern auch durch Relevanz. Dafür müssen zum einen Praxen, Krankenhäuser und weitere Leistungserbringer die ePA konsequent mit medizinischen Daten befüllen. Zum zweiten muss der Mehrwert für die Versicherten spürbar sein. Deshalb entwickelt die BARMER über die ePA hinaus Zusatzfunktionen, die den Versicherten bei der Vorsorge, im Krankheitsfall und der Rehabilitation beim Gesundheits- Management konkret helfen.
Über die App BARMER eCare können Versicherte nicht nur auf ihre Akte zugreifen, sondern auch mögliche Wechselwirkungen zwischen verschriebenen und selbst gekauften Medikamenten prüfen, Gebrauchsinformationen abrufen oder sich an notwendigen Impfungen erinnern lassen. So wird die App zu einem echten Begleiter im Gesundheitsalltag.
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