Der Akku bestimmt, welches Werkzeug in der Werkstatt landet und welche Gefahr dort lagert. Die Hans-Böckler-Stiftung hat im Januar 2026 die Branchenanalyse Elektrowerkzeuge des Stuttgarter Forschungsinstituts IMU als Working Paper Nummer 394 veröffentlicht. Laut dieser Analyse lag der Anteil von Akku-Elektrowerkzeugen in Deutschland im Jahr 2024 bei mehr als 70 Prozent, mit weiter steigender Tendenz. Im selben Monat erschien die dritte Ausgabe der internationalen Norm ISO 3941 zu Brandklassen, die erstmals eine eigene Klasse für Brände von Lithium-Ionen-Zellen und -Batterien einführt. Mit dem Akku hat sich auch der Antrieb verändert, denn bürstenlose Motoren ersetzen zunehmend die Bauart mit Schleifkontakten – warum diese Teile verschleißen, erklärt ein Beitrag über Kohlebürsten in Bohrmaschinen und ihre Funktion.

Woran die Branchenanalyse den Wandel zum Akku festmacht

Die Branche ist größer, als die amtliche Statistik zeigt, und sie schrumpft real. Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung arbeiteten im Jahr 2024 in der Herstellung handgeführter Werkzeuge mit Motorantrieb gut 14.000 Erwerbstätige in 36 Betrieben ab 20 Beschäftigten, die eigene Erhebung der Analyse kommt auf mehr als 21.000 Beschäftigte. Der Umsatz lag laut der Analyse bei 6,414 Milliarden Euro, nominal 0,6 Prozent unter dem Vorjahr und real 3,6 Prozent darunter; der Exportanteil erreichte 76 Prozent.

Der Wandel zeigt sich auch in der Kostenstruktur. Laut der Branchenanalyse stieg der Anteil zugekaufter Handelsware an den Gesamtkosten der Hersteller von 9 Prozent im Jahr 2004 auf 37 Prozent im Jahr 2021, während die Anteile von Materialverbrauch und Personalkosten deutlich zurückgingen. Akkupacks, bürstenlose Motoren und Ladegeräte werden nach Darstellung der Analyse überwiegend aus China oder anderen Standorten mit niedrigen Kosten bezogen.

Wie stark Akku-Plattformen den Kauf von Elektrowerkzeugen steuern

Wer ein Gerät kauft, kauft heute oft nur noch das Gerät. Laut der Branchenanalyse der Hans-Böckler-Stiftung stieg der Anteil der ohne Akkupack verkauften Akku-Werkzeuge in Deutschland binnen vier Jahren um 17 Prozentpunkte auf 40 Prozent der verkauften Stückzahlen im Jahr 2024. Kundinnen und Kunden entscheiden sich damit für eine Plattform und erweitern ihren Gerätepark mit kompatiblen Werkzeugen, was die Bindung an einen Hersteller oder eine Allianz erhöht.

Die Allianzen sind entsprechend groß geworden. Nach Angaben der Analyse umfasst das herstellerübergreifende Cordless Alliance System rund 50 Marken mit mehr als 450 Maschinen, die Allianz AMPShare rund 35 Marken; andere Hersteller setzen auf eigene, geschlossene Systeme. Für Europa nennt die Analyse unter Verweis auf die Europäische Kommission einen Akku-Marktanteil von 65 Prozent im Jahr 2023 und eine erwartete Dominanz von 75 Prozent bis 2027. Vor einem Kauf lohnt deshalb der Blick auf das System, nicht nur auf das Gerät – ein Beispiel dafür ist die Entscheidung zwischen zwei Bohrhammer-Systemen von Dewalt und Bosch.

„Der zweite Akku ist der teuerste Kaufgrund, den es gibt. Wer sich einmal für eine Plattform entschieden hat, vergleicht beim nächsten Werkzeug nicht mehr Hersteller, sondern nur noch Modelle innerhalb seines Systems“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was die neue Brandklasse L für Lithium-Ionen-Akkus bedeutet

Mit dem Akku zieht ein neuer Brandtyp in die Werkstatt ein. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) hat im Januar 2026 die dritte Ausgabe der Norm ISO 3941 veröffentlicht, die die Ausgabe aus dem Jahr 2007 ersetzt. Laut dem Vorwort der Norm sind die beiden wesentlichen Änderungen die Aufnahme einer Klassifizierung für Brände von Lithium-Ionen-Batterien und ein neuer Abschnitt mit Hinweisen zu den Gefahren der einzelnen Brandklassen.

Die Definition ist eng gefasst. Nach der Norm umfasst die Klasse L Brände, an denen Lithium-Ionen-Zellen und -Batterien beteiligt sind und bei denen kein metallisches Lithium vorliegt. In einer Anmerkung beschreibt die Norm solche Brände als elektrochemische Brände, die im Vergleich zu den meisten Bränden der Klassen A bis F eine höhere Energiedichte haben und deshalb schneller anwachsen können. Die Klassen A bis D und F bleiben unverändert bestehen.

Welche Gefahren die Norm bei einem Akkubrand nennt

Die Norm beschreibt, was einen Akkubrand von einem Holz- oder Fettbrand unterscheidet. Die Norm ISO 3941:2026 nennt in ihrem Abschnitt zur Klasse L diese zusätzlichen Gefahren:

  • Austreten heißer und explosionsfähiger Gase sowie deren Giftigkeit.
  • Hindernisse, die das Löschmittel vom Brandherd fernhalten.
  • Ein sich fortpflanzendes thermisches Durchgehen, also die unkontrollierbare Wärmeübertragung von Zelle zu Zelle.
  • Das Herausschleudern heißer oder brennender Zellen aus dem Brandherd und der Austritt von Elektrolyt.
  • In beschädigten Zellen verbleibende Restenergie, die eine Wiederentzündung auslösen und einen Stromschlag verursachen kann.

Die Norm ergänzt, dass beschädigte wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien an einer Stromquelle eine Stromschlaggefahr darstellen können. Für den Haushalt heißt das: Ein Akkupack, das nach einem Sturz oder einer Überhitzung auffällig ist, gehört weder ans Ladegerät noch in den Hausmüll.

Wohin die Branche bis zum Jahr 2040 steuern könnte

Die Branchenanalyse endet mit drei Szenarien. Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung bleibt die Beschäftigung im günstigsten Fall etwa stabil und verschiebt sich zu Entwicklung, IT und Kundenintegration. Im mittleren Szenario liegt sie 2040 um rund ein Drittel unter dem Stand von 2025, im ungünstigsten Fall um drei Viertel darunter. Als entscheidend nennt die Analyse Systemangebote aus Werkzeug, Zubehör und Verbrauchsmaterial auf Basis einer Akku-Plattform.

Für Käuferinnen und Käufer im Herbst 2026 bleibt davon zweierlei. Die Wahl der Akku-Plattform legt die nächsten Anschaffungen fest, und mit jedem weiteren Akkupack wächst die Menge gespeicherter Energie im Haus, für die die Norm seit Januar 2026 eine eigene Brandklasse vorsieht.

Über die Provimedia GmbH

Die Provimedia GmbH ist ein Online-Verlag mit Sitz in der Region Stuttgart. Wir schaffen wertvolle Informationen in unterschiedlichen Branchen um Wissen schnell und einfach zugänglich zu machen. Wir haben uns auf übersichtliche Webseiten und Auffindbarkeit von Informationen spezialisiert.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Provimedia GmbH
Weidenweg 12
74321 Bietigheim-Bissingen
Telefon: +49 (7142) 3442727
Telefax: +49 (7142) 2279985
http://provimedia.de

Ansprechpartner:
Alexander Weipprecht
CEO
Telefon: +49 (7142) 3442727
E-Mail: info@provimedia.de
Für die oben stehende Story ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel